Wahlprüfsteine der SAZ zur Bundestagswahl 2021 – Update

Die Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) hat mehrere Parteien um Stellungnahmen zu den Themen "Analoge Spiele in die Deutsche Nationalbibliothek und Bibliothekstantieme" sowie zur "Förderung des Kulturguts Spiel" gebeten. CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und die FDP haben inzwischen geantwortet. Über das positive Echo freuen wir uns und sehen der kommenden Legislaturperiode optimistisch entgegen. Die FDP hatte bereits in der vergangenen Legislaturperiode einen entsprechenden Antrag an den Deutschen Bundestag eingebracht. Eine ausführliche Dokumentation zu diesem Antrag ist in dem Magazin für analoge Spielkultur NULL OUVERT abgedruckt.

Unsere Fragen an die Parteien:

  1. Analoge Spiele müssen in den Sammlungskatalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) aufgenommen werden, um eine anerkannte und umfassende Datengrundlage für den Rechtsanspruch auf Bibliothekstantieme zu gewährleisten. Wie stehen Sie zu dieser Forderung und was planen Sie zu deren Umsetzung?

  2. Analoge Spiele haben als viele 1000 Jahre altes Kulturgut, als Gemeinschaft stiftende Kraft sowie als Bildungsmedium mehr Anerkennung und Förderung verdient – vergleichbar zu den vielfältig geförderten digitalen Spielen. Welche konkreten Maßnahmen planen Sie hierzu?

 

"Für CDU und CSU sind Spiele ein Kulturgut von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Sie leisten einen Beitrag zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Daher unterstützen wir die Forderung der Spiele-Autoren-Zunft, analoge Spiele in den Sammlungskatalog der Deutschen Nationalbibliothek aufzunehmen. Allerdings wollen wir die Frage der Aufnahme in das Sammlungsgut der deutschen Nationalbibliothek nicht an die Frage einer Vergütung koppeln. Obwohl Spiele wie Bücher über Bibliotheken verliehen werden, leitet sich hieraus nicht notwendigerweise ein Anspruch auf Bibliothekstantiemen ab. Ob dies bei den analogen Spielen der Fall ist, ist wie bei anderen Werkformen eine Frage des Einzelfalls.

Was die Forderung nach einer zentralen Datensammlung angeht, so weisen wir darauf hin, dass analoge Spiele bereits in privaten und staatlichen Einrichtungen gesammelt und aufbewahrt werden. So befinden sich analoge Spiele in fast allen öffentlichen Bibliotheken Deutschlands. 2017 betrug der Bestand in der Rubrik "Non Book" 1 954 954, die Anzahl der Entleihungen betrug 4 601 165. "Non-Book" sind zum großen Teil Spiele. Darüber hinaus umfasst das Deutsche Spielearchiv Nürnberg eine Sammlung mit rund 30 000 Gesellschaftsspielen. Der Schwerpunkt der Sammlungstätigkeit liegt auf den Brett- und Tischspielen des deutschsprachigen Raumes nach 1945. Darüber hinaus sieht sich das Archiv auch als wissenschaftliches Forschungsinstitut, das die Entwicklung der Brett- und Tischspiele im gesamten deutschsprachigen Raum seit 1945 dokumentiert und auswertet. Das bedeutet, dass bereits heute eine anerkannte und relativ umfassende Datengrundlage existiert."

 

"Die SPD befürwortet die Archivierung und Schaffung eines Sammlungskatalogs für deutschsprachige Brett- und Gesellschaftsspiele. Dies sollte an der für die Archivierung von Medienwerken zuständigen Deutschen Nationalbibliothek geschehen oder gegebenenfalls am Deutschen Spielearchiv in Nürnberg. Durch einen solchen Sammlungsauftrag wäre eine Datengrundlage geschaffen, die der Stellung des deutschsprachigen Brettspiels angemessen ist.

Neben der Archivierung analoger Spiele muss es hierzulande weitere Schritte geben, die der im internationalen Vergleich herausragenden Bedeutung des Kulturguts Brettspiel angemessen ist, die über die letzten Jahrzehnte stetig zugenommen hat. Dazu könnte die Schaffung einer entsprechenden Stiftung gehören, in die unabhängige Institutionen wie das bei den Museen der Stadt Nürnberg angesiedelte Deutsche Spielearchiv und der Verein Spiel des Jahres aber auch Verbände wie der Spieleverlage e.V. und die Spiele-Autoren-Zunft einbezogen werden sollten."

 

"In der Tat benötigen wir eine einheitliche Datenbasis für das Kulturgut Brett- und Kartenspiel. Diese sollte mit der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) kompatibel und interoperabel sein. Für den Rechtsanspruch der Spieleautor*innen auf die Bibliothekstantiemen wollen wir GRÜNE praktikable Lösungen finden.  

Während der Pandemie haben viele Menschen gemerkt, wie analoge Spiele das Gemeinschaftsgefühl stärken können und für Entspannung, persönliche Entwicklung und Freude im (widrigen) Alltag sorgen können. Analoge Spiele sind ein Kulturgut, das zwar als solches anerkannt ist, aber politisch noch zu wenig gewürdigt wird. Sollte die unter Frage 1. angesprochene Datenbasis im Rahmen der DNB umgesetzt werden, halten wir GRÜNE entsprechende Erhöhungen im Haushalt der DNB für angebracht."

 

"Spiele sind Teil eines ganzheitlichen Kulturauftrags. Ihre Zugänglichkeit in öffentlichen Bibliotheken, ob in ländlichen oder urbanen Raum, ermöglicht kulturelle Teilhabe, Erholung und erzeugt Gemeinschaft. Wir unterstützen daher den Vorschlag, Spiele im Sammlungskatalog der Deutschen Nationalbibliothek zu führen, damit diese sowie ihre Autor*innen und Verlage eine gesicherte Datengrundlage, z.B. für Bibliothekstantieme bei der Verwertungsgesellschaft Wort, und schließlich auch Rechtsanspruch erhalten. Analoge Spiele könnten dadurch auch verstärkt Anerkennung als handwerklich-künstlerisches Kulturgut erfahren und ihre gesellschaftliche Bedeutung als Bildungsmedium behaupten.

Eine erste Maßnahme stellt die Aufnahme in den Sammlungskatalog der Deutschen Nationalbibliothek dar. Indirekte Subventionen - wie ein ermäßigter Steuersatz - , oder auch im Rahmen von direkter Förderung anhand spezifischer Kriterien (pädagogische Wert, Bildungspotenzial, etc.) werden wir prüfen."

"Wir Freie Demokraten wollen, dass eine Kompatibilität und Interoperabilität der zu schaffenden Datenbasis mit der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) oder anderen bundesweiten Bestandsverzeichnissen - wie dem Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) - hergestellt wird. Hierzu hat die Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag eine Initiative eingebracht (vgl. „Spiele und Spielautoren würdigen – rechtliche und vergütungsrechtliche Rahmenbedingungen verbessern“ BT-Drs.-19/23682).

Zudem wollen wir, dass wirksame und praktikable Lösungen gefunden werden, um Spieleautoren den nach § 27 UrhG begründeten Rechtsanspruch auf die Bibliothekstantieme zu gewähren. Darüber hinaus soll geprüft werden, inwieweit Umfang und Höhe der jährlichen von Bund und Ländern getragenen Vergütungssummen zur Abgeltung der Bibliothekstantieme gemäß § 27 Abs. 2 UrhG angepasst werden müssten. Hierfür sind entweder die Sammelrichtlinien der DNB und die Pflichtabgabeverordnung entsprechend anzupassen oder alternative gleichwertige Lösungen wie zum Beispiel über das VLB zu finden. Bei einer Umsetzung über die DNB sollen die weiteren Aufgaben in den Haushaltsplanungen berücksichtigt werden und im Rahmen der zu Verfügung stehenden Haushaltsmittel der Etat entsprechend angepasst werden.

Spiele vermitteln seit jeher Werte, verschaffen Gemeinschaftsgefühl, sorgen für Entschleunigung und bringen den Menschen Lebensfreude. Spiele – ob analog oder digital – sind als Kulturgut anerkannt. Sie haben aber eine oft unterschätzte gesellschaftliche Relevanz. Auch als vielfältig genutztes Bildungsmedium wird ihre Bedeutung oft unterschätzt. Nicht nur die Spiele verdienen Würdigung, sondern auch deren Autoren, welche durch ihre Kreativität die Spielelandschaft permanent bereichern und weiterentwickeln. Deshalb setzen wir uns für eine einheitliche Datenbasis für das Kulturgut Spiel ein und verweisen ferner auf den o.g. Antrag der FDP-Bundestagsfraktion sowie unsere Antwort auf Frage 1."

 

Auch der Deutsche Kulturrat hat den Parteien seine Wahlprüfsteine vorgelegt – in der aktuellen Ausgabe von politik & kultur auf Seite 3–6 nachlesbar.

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