Wir trauern um Reinhold Wittig

Reinhold Wittig, unser hochgeschätztes Ehrenmitglied, verstarb am 11. April.

Über Reinholds Werk – seien es seine Marionetten, der Planetenweg oder seine Spiele – gibt es viel zu erzählen: Aus Schrott Kunstwerke zu erschaffen und mit diesen dann Theater zu spielen, umgekehrt zu literarischen Werken Spiele zu erschaffen, physikalische Experimente in Spielobjekte zu verwandeln – das wirkt wie die Kunst eines Magiers. Reinhold Wittig konnte – neben seinem Beruf als Geologe – wunderbar zwischen diesen Welten wandeln.

Ein Teil seiner Marionetten wird künftig in einem Münchener Museum zu sehen sein. Seine Spiele finden sich in vielen Spieleregalen wieder – zumindest diejenigen, die bei größeren Verlagen erschienen sind.

Zahlreiche Werke sind auch in Kleinstauflage in seiner eigenen Edition Perlhuhn erschienen – viele davon sind sowohl Spiele als auch Kunstwerke. Das gilt für seine eigenen Spiele wie auch für die von ihm verlegten Spiele anderer Autoren und Autorinnen.

Die Spieleautorenschaft hat Reinhold sehr viel zu verdanken: Auf seine Initiative hin gab es 1988 den berühmten Bierdeckel, auf dem 13 Autoren und Autorinnen unterschrieben: „Keiner von uns gibt ein Spiel an einen Verlag, wenn sein Name nicht oben auf der Schachtel steht."

Bereits 5 Jahre zuvor, 1983,  lud Reinhold zum Spieleautoren-Treffen nach Göttingen ein. Es war ein überschaubarer Teilnehmerkreis, für den abends im Hause Wittig Spaghetti gekocht wurden. Das Miteinander der Spieleautoren und –autorinnen lag Reinhold am Herzen und auch wenn das Spieleautoren-Treffen mittlerweile deutlich größer ist und deutlich stärker genutzt wird, um Verlagen Prototypen zu präsentieren, wurde es fast immer von einem Spaghetti-Essen begleitet, bei dem wunderbar Kontakte geknüpft und gepflegt werden konnten. Reinhold konnte bis zuletzt dabei sein und die Lebendigkeit des Treffens genießen.

Als 1991 die Spiele-Autoren-Zunft gegründet wurde, war Reinhold tatsächlich nicht unter den Gründungsmitgliedern – wohl aber seine damalige Frau Karin. Eine Spiele-Autoren-Zunft ohne Reinhold war offenbar nicht vorstellbar, so dass er noch im Gründungsjahr zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Gab es überhaupt Spieleautoren vor Reinhold Wittig? Natürlich gab es sie, doch vor dem Wirken von Reinhold führten sie größtenteils an anonymes Schattendasein und wurden von den Spielern und Verlagen kaum als die Schöpfer ihrer Werke wahrgenommen. Reinhold hat mit dem Begriff des 'Spieleautoren' den kulturellen und künstlerischen Anspruch des Erschaffens von Spielen unterstrichen und der Spieleautorenschaft zu einem selbstbewussten Selbstverständnis verholfen.

Die Spiele-Autoren-Zunft dankt dir, Reinhold, für deine zahlreichen Initiativen, den Blick auf das Miteinander und nicht zuletzt für die Bereicherung unseres Lebens.

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