Spieleautoren im Blickpunkt

Bis heute wird den SpieleautorInnen nicht die Bedeutung zuerkannt, die ihnen eigentlich zusteht und die Autoren in der Literatur, im Theater oder in der Musik selbstverständlich eingeräumt wird – obwohl es natürlich zwischen den Entwicklungs- und Realisierungsphasen der verschiedenen Autoren und Werke Unterschiede gibt. Ein Plädoyer mit historischem Überblick beleuchtet das Phänomen des Spieleautors.

Der Autor muss auf das Cover der Schachtel! Das war nie selbst-verständlich. Die berühmte Bierdeckel-Proklamation von 1988, die Alex Randolph und andere bekannte Spieleautoren unterzeichnet haben, war ein wichtiges Signal und leitete langsam eine Wende ein. Doch eine durchgehende Selbstverständlichkeit ist die Nennung des Autors immer noch nicht. Auch nicht in den Medien. Und eine beispielsweise mit Buchautoren gleichbedeutende Anerkennung wurde bis heute nicht erreicht.

Unter dem Motto "AUCH SPIELE HABEN AUTOREN" startete die SAZ im Juni 2011 eine Kampagne, die dafür wirbt, dass Spieleautoren – ebenso wie Buchautoren – in allen publizistischen und werblichen Zusammenhängen mit ihren Spielen genannt und so deutlicher in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Lernen Sie ein paar dieser kreativen Köpfe kennen: Auf SAZ-TV finden Sie interessante Video-Interviews mit Spieleautoren aus den Jahren 2006, 2011 und 2012.

Spiele sind Kulturgut – eine Wahrheit, die in unserer Gesellschaft durch die Aufnahme der SAZ in den Deutschen Kulturrat natürlich nicht automatisch verinnerlicht und zu sichtbaren Ergebnissen geführt hat. Beispielsweise finden Spiele-Rezensionen in Zeitungen, wenn überhaupt, meist unter Freizeit oder Vermischtes in der Wochenendbeilage oder als Ratgebertipps vor dem Weihnachts-geschäft statt. Im Feuilleton herrscht fast flächendeckend Fehlanzeige, allenfalls digitale Spiele werden hier – wenn auch oft mit gemischten Gefühlen – besprochen. Die SAZ setzt sich deshalb für eine stärkere gesellschaftliche und kulturelle Beachtung von Spielen und ihren Autoren ein!

Die SAZ-Wanderausstellung zum Thema "Wie entsteht ein Spiel" soll dazu einen Beitrag leisten und wurde erstmals auf der SPIEL '10 in Essen gezeigt. Sie illustriert die Arbeit von derzeit 39 Spieleautoren sowie einigen Illustratoren und Verlagen. Weitere Informationen zur Ausstellung, die mittlerweile in der Obhut des Deutschen Spielemuseums in Chemnitz ist, finden Sie hier.

Unser Ziel ist es, positive Beispiele herauszustellen. Den Verlagen kommt dabei eine herausragende Bedeutung zu. Sie sind es, die Spiele publizieren und vermarkten. Sie haben es also wesentlich in der Hand, inwieweit der Autor eines Spiels auch als solcher wahrgenommen wird. Die große Verlagsübersicht (Update vom 27. Mai 2011 - PDF-Download 27 KB) zeigt, dass die Verlage noch viel tun können. Sie zeigt aber auch, dass es durchaus schon einige positive und herausragende Beispiele gibt:

Den Boden der Schachtel nutzt nutzt neuerdings Hans im Glück und stellt dort den Autor mit Bild und Text vor. Bisher geschah das auf Seitenflächen, wo jetzt nach wie vor der Illustrator vorgestellt wird Das ist wirklich vorbildlich und eine gute Adaption der in Büchern üblichen Vorstellungsformen. Hier am Beispiel der Spiele Santa Cruz und Maori.

Die Spielanleitung nutzen einige Verlage und bringen, zumindest bei den meisten großen Spielen, eine Vorstellung des Autors und manchmal auch des Illustrators. Hier sind einige Beispiele von Abacus, Drei Magier, Haba, Kosmos und Nexus. Eine besondere Erwähnung verdient die Spielanleitung von Container, erschienen bei Valley Games. Sie widmet eine ganze Seite dem Nachruf auf Franz-Benno Delonge, dem vor Erscheinen des Spiels verstorbenen Co-Autor dieses Spiels.

Ihre Webseiten nutzen einige Verlage, um anhand von speziellen Suchmasken die gezielte Suche und Vorstellung von Autoren und Illustratoren zu ermöglichen. Gut zu sehen an Hand der Verlage Eggert, Franjos, Kallmeyer, Kosmos und Zoch. Clever Games geben den Autoren jeweils ausführlich Platz zu einer Selbst-darstellung (le mot de l'inventeur).

Auf seinen Messeständen hat der Heidelberger Spieleverlag in Essen auf der Spiel ’09 mit seinen Autoren-Bildpostern sehr plakativ die kreativen Köpfe hinter den Spielen in Szene gesetzt. Kompliment! Und Kosmos hat auf der Spiel '10 die Autorenstunden am Stand mit großen Tafeln angekündigt.

In der Werbung, wie z.B. in Anzeigen und Prospekten, sucht man bisher meist vergebens nach dem Autor, wenn man mal von solchen Anzeigen absieht, bei denen der Name auf der Schachtelabbildung lesbar ist.

Die Präsentation der Autorennamen erfolgt unterschiedlich: Mal erscheint nur der Name, mal wird "Spieleautor" oder "Autor" davor gesetzt, mal wird der umgangs-sprachliche Begriff "Spielidee" verwendet. Letzterer ist urheberrechtlich jedoch äußerst problematisch, da Ideen nicht schützbar sind. Wir plädieren deshalb für die Begriffe "Spieleautor" oder einfach "Autor".